Singapur – wer schon in Singapur war, wird wissen, dass es sich gar nicht so sehr von unseren westlichen Großstädten unterscheidet. Singapur hat in Asien eine ganz besondere Stellung – das Tor zwischen West, Ost, Fernost und dem Pazifik. Die geografische Lage zwischen den Weltmeeren mit dem einzigen Seeweg zwischen Fernost und Indien ermöglichte Singapur ein stetiges Wachstum. Diese Sonderstellung machte es aber Singapur in der Geschichte nicht gerade leicht. Öfters durch wechselnde Herrschaften bezwungen – von indischen Stämmen, Muselmanen, Malaien, Portugiesen, Holländern und schließlich den Engländern konnte sich Singapur kulturell auf vielfältige Art und Weise entwickeln, was heute wesentlich zu einer einfachen Verständigung zwischen den Kulturen beiträgt. Singapur ist einer der wenigen Orte an denen alle Glaubensgemeinschaften – Christentum, Buddhismus, Hinduismus und Islam friedlich nebeneinander existieren ohne sich zu befeinden oder Konflikte aufzubauen. Seit ein paar Jahrzehnten genießt Singapur schließlich die Unabhängigkeit – sowohl von Malaysia als auch von England und kann sich nun ganz auf sich konzentrieren. Die Wirtschaft und das Rechtssystem sind stabil, viele ausländische Firmen haben sich vor der Asienkrise 1998 in Singapur ihr asiatisches Hauptquartier aufgeschlagen, so dass es in Singapur ein nicht zu vernachlässigenden Anteil von Expats bzw. ausländischer Bevölkerung gibt.
Protokoll
Singapur ist ähnlich wie Hong Kong für uns westliche Kulturen ein gutes Einstiegsland und relativ einfach zu begegnen. Wie in Hong Kong und anderen ehemaligen englischen Kronkolonien legt man gesteigerten Wert auf gutes gepflegtes Aussehen. Zu Geschäftsverhandlungen bitte immer im konservativen Anzug mit Krawatte, gutem Eau-de-Toilette und ordentlichen Haarschnitt. In Singapur werden Sie keine besonderen Haarschnitte finden – alles ist sehr konservativ, da man nicht auffallen möchte oder als alternativ gelten möchte. Das Ambiente Ihrer Verhandlung ist mehr oder weniger untergeordnet – suchen Sie bitte nicht einen lauten Star-Bucks oder das Hard-Rock-Cafe in der Orchard Road auf, sondern gehen Sie ruhig in eines der besseren Hotels oder besuchen Sie Ihre Geschäfts- und Verhandlungspartner direkt in der Firma. Verhandlungen sind relativ straff geplant, Sie können also schnell zum Punkt kommen – bitte immer höflich, bedanken, zuvorkommend behandeln und für die entgegengebrachte Zeit bedanken, denn Zeit ist viel Geld in Singapur. Sollten Sie zum Brunch, Luncheon, Tea-Time, Cocktail oder Dinner eingeladen sein – putzen Sie sich bitte heraus und suchen noch eine schöne Begleitung heraus, da man auf solche Events meistens nicht allein geht – die Ehefrau oder Sekretärin oder Personal Assistent ist bei solchen Treffen durchaus angemessen.
Konfliktpotential
Die Konflikte wurden in der Allgemeinen Charakteristika ausreichend beschrieben. Sie müssen sich auf Vetternwirtschaft einstellen, mit Gefühlsausbrüchen die sie so nur in Singapur erleben, die Konzepte der Harmonie und Gesichtswahrung unbedingt beachten, da Singapurer sehr sensibel sind. Übrigens – wussten Sie das Singapur Chinesen sehr stolz sind auf Ihre Chinesischen Kultur? Häufige Tempelgänge sind durchaus an der Tagesordnung und man kauft chinesische Waren vom chinesischen Händler. In Verhandlungen verhält sich das ähnlich und daher Achtung so westlich sind die Singapurer dann doch nicht. Ihren direkten Redestil wird man durchaus ohne Probleme verstehen, doch im Verlauf der Verhandlungen also beim 4. oder 10. aufeinandertreffen sollten Sie mehr und mehr indirekt sein. Vor allem im persönlichen Zusammensein versuchen Sie bitte so indirekt wie möglich zu sein, Kritik zu verstecken und nicht auf das fehlende Verantwortungsbewusstsein hinzuweisen. In Singapur wird gerne geschimpft und geflucht – meistens in der Lokalsprache Hokkien – aber das sollte Ihnen nichts ausmachen. Auch wenn Sie das Gefühl haben, man redet über Sie, so lassen Sie sich bitte nicht aus dem Konzept bringen, wenn über Sie geredet wird, ist es eher als positives Zeichen zu werten auch wenn man über Sie nur schimpft – aber schimpfen würde man über unbedeutende Leute nicht, dafür ist die Zeit zu kostbar. Pflegen Sie persönliche Beziehungen und man wird es Ihnen danken, obwohl Singapurer eher zu etwas Steifheit und Konservatismus leiden.
Zeitdimension
Singapur ist sehr zeitgetrieben – alles ist geplant und Verspätungen und Verkehrsstaus sind eher selten. Man startet den Tag früh – also durchaus mal 8 Uhr und nicht 9 Uhr wie in anderen asiatischen Staaten. Unpünktlichkeit wird ungern verziehen – versuchen Sie also deutsche Pünktlichkeit zu zeigen und deutsche Tugenden zu zeigen. Die Verhandlung an sich ist straff geplant – vom Breakfast Meeting über Luncheon bis zum Cocktail ist von Singapurianischen Geschäftsleuten alles geplant. Entscheidungen werden gerne zeitnah und schnell getroffen – große Geschäfte laufen gerne über Ausschreibung bzw. Familien- und Verwandtenkanäle, die etwas in Zeit in Anspruch nehmen können.
Investition in Ihren Geschäftspartner
Viel brauchen Sie geldmäßig in Ihre Geschäftspartner nicht zu investieren. Man spielt gerne Golf oder reist auch mal gerne in die benachbarten Staaten, diese Gesten sind aber erst nach erfolgreichen Verhandlungen ratsam. Im Vorfeld sollten Sie keine großen Geschenke machen, schon gar nicht versuchen mit Geld- oder Sachgeschenken sich die Gunst zu erkaufen. Korruption wird schwer bestraft in Singapur also Vorsicht – die Grenze zwischen großzügigen Geschenken und Korruption ist fließend. In was auf jeden Fall investieren sollten sind die Kontakte und Beziehungen – da reicht aber schon ein gutes Essen oder Einladung in eine der Kaffees oder Bars auf der Orchard Road.
Sprache
Sprachlich haben Sie es in Singapur einfach, da fast alle Singapurer ein perfektes Englisch sprechen. Neben Englisch wird Mandarin, Kantonesisch, Hokkien, Hakka und
Malay gesprochen. Ich empfehle Ihnen dennoch einen Dolmetscher Hokkien, Mandarin mitzunehmen der Ihnen ggf. auch die Nebengespräche nach der Verhandlung übersetzen kann.
Weitere Tipps und Besonderheiten:
1. Singapurchinesen bleiben meistens unter sich und verhandeln selten mit Indern oder Malaien. Versuchen Sie daher auch den Eindruck zu verstärken, dass Sie unter Ihresgleichen verhandeln und nur mit Singpurchinesen. Geben Sie also den Singapurchinesen indirekt Vorrang – offen ausgesprochen. Was Sie für Geschäfte machen interessiert ja sonst keinen. Es könnte aber zu Problemen führen, wenn Sie rege mit Indern und Malaien handeln.
Die aufgeführten Merkmale sind bis auf Interculti sehr subjektiv und wurden ausschließlich durch eigene Erfahrung gesammelt. Vielleicht habe ich ja nur die falschen Singapurianer kennengelernt, jedenfalls mache ich ungern Geschäfte mit Singapur, da ich es sehr anstrengend und kompliziert finde und man höllisch aufpassen muss, allen Interessen zu genügen ohne jemanden das Gesicht verlieren zu lassen, die Harmonie zu stören, die Vetternwirtschaft zu durchbrechen und Kritik zu üben und Verantwortlichkeiten zu suchen. Ich empfand das bisher immer als sehr mühsam.
BITTE LESEN SIE AUCH UNBEDINGT DIE ABSCHNITTE ZU CHINA UND INDIEN - da in Singapur auch viele Inder leben und sich durch das enge Zusammenleben von Chinesen und Indern eine ganz bestimmte Kultur herausgeprägt hat, die Kulturmerkmale von beiden Nationen enthält.